Wasserhosen vorhersagen?

Sind Wasserhosen vorhersagbar? Nein, nicht wirklich und dennoch gibt es ein paar Grundzutaten, die sie begünstigen.

Wasserhosen sind kleine Tornados mit Rotationswindgeschwindigkeiten weit außerhalb der für Segler üblichen, zwölfteiligen Beaufortskala,1 weshalb sie so gefürchtet sind.

Auf Thomas’ »Mare Più«-Blog gibt es einen spannenden aktuellen Bericht einer Wasserhosenbegegnung.

In diesem Artikel werden zwei Wettersituationen vorgestellt und verglichen, in denen in der Adria Wasserhosen beobachtet wurden.

Die Zutaten

Die wichtigsten Zutaten sind dieselben, wie bei einem Gewitter: starke vertikale Temperaturabnahme, hohe Luftfeuchtigkeit am Boden, idealerweise warmes Wasser und eine Aufwärtsbewegung, bedingt durch die Sonneneinstrahlung oder eine Front. Diese Bedingung sind vermehrt im Spätsommer und Herbst anzutreffen, weshalb zu dieser Zeit auch häufiger Wasserhosen beobachtet werden.

In der Meteorologie sind i.d.R. aber nie die absoluten Werte, sondern immer nur die Differenzen von Bedeutung (Druckunterschied, Temperaturunterschied,…). In einschlägiger Literatur2 ist nachzulesen, dass Wasserhosen im Mittelmeer im Herbst und Winter auftreten. Gerade im Winter werden sie meist jedoch nicht von Seglern beobachtet 😉

Zwei ähnliche Wettersituationen

Zwei Wettersituation in denen Wasserhosen aufgetreten sind werden im Folgenden verglichen, beide mit “hautnaher” Beobachtung. Leider denken die meisten Beobachter an Bord einer Segelyacht zu diesem Zeitpunkt nicht ans Fotografieren 😉 Die erste fand am 19. August 2015 um ca. 13 Uhr zwischen den Inseln Palagruža und Vis statt,3 die zweite am 12. August 2017 um ca. 14 Uhr am südlichen Ende der Insel Mljet.4 Die Wassertemperatur in Dubrovnik beträgt aktuell ca. 26°C (22.08.2017) und es ist anzunehmen, dass es vor zehn Tagen nicht viel anders war.

Fast auf den Tag genau zum gleichen Zeitpunkt, nur in zwei verschiedenen Jahren, beide ungefähr am gleichen Breitengrad (42°45′ N), im südlichen Teil der Zentraladria.

Die Wetterberichte5 des Marine Meteorological Center Split von 0600 Uhr Lokalzeit sind ebenfalls ähnlich: vereinzelte Gewitter, Böen NW bis NE 7-9 Bft und die Vorhersage, dass eine Front dabei ist über die Adria zu ziehen.

Betrachtet man die Großwetterlage in Mittel- und Südeuropa, so erkennt man, dass beide Situationen beinahe identisch sind. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass es sich dabei grundsätzlich aber durchaus um eine „Standardsituation“ handelt. Die folgende Grafik zeigt vergleichend die Bodendruckkarten von 0200 Uhr Lokalzeit (0000 UTC) an den beiden Tagen (Die Farbe der ergänzten Pfeile hat keine Bedeutung, sondern dient nur der Hervorhebung).

Über Spanien liegt der Ausläufer eines Hochs, das sich vom Atlantik von Westen her auf Europa ausbreitet während sich eine Kaltfront mit östlicher Zugrichtung von der nördlichen Adria über das tyrrhenische Meer bis zu den Balearen erstreckt. Interessant ist das Höhentief (HTK), das in beiden Karten hinter der Kaltfront ersichtlich ist. Ein Höhentief enthält i.d.R. kalte Luft, die dem Wettergeschehen über dem warmen Mittelmeer zusätzlich Energie gibt.

Zwölf Stunden später, um 14 Uhr Lokalzeit, liegt die Kaltfront in der Mitte der Adria und schwenkt weiter nach Osten. Auf der Rückseite der Kaltfront folgt das Höhentief.

Mit Fronten sind oft Gewitter verbunden, insbesonders in dieser Situation: warmes Wasser, warme feuchte Luft am Boden, starke Aufwärtsbewegung durch die Kaltfront und den verstärkten Temperaturunterschied in der Atmosphäre aufgrund des Höhentiefs. Die folgende Grafik zeigt die Blitzkarte über den Zeitraum von 6 Stunden von 0900 bis 1500 Uhr Lokalzeit (1300 UTC). Weiß bedeutet 14 bis 15 Uhr, gelb 13 bis 14 Uhr, orange 12 bis 13 Uhr.

Die Zugrichtung (schwarzer Pfeil) und Zuggeschwindigkeit der Gewitterzellen ist sehr ähnlich, sie folgt natürlich der Zugrichtung der Kaltfront.

In beiden Fällen wurden die Gewitter als sehr heftig in Begleitung mit einigen Wasserhosen beobachtet. Die folgende Karte zeigt noch die Bodendruckkarte mit überlagertem Satellitenbild, in dem man auch die Bewölkung sehen kann. Man sieht auch die generell recht flache Druckverteilung im Mittelmeerraum, obwohl das ebenfalls normal ist.

Fazit

Wasserhosen sind ein kurzzeitiges Phänomen, dem man zum Glück sehr selten begegnet. Wenn es doch dazu kommt, sollte man allerdings das Weite suchen, denn die hohen Windgeschwindigkeiten (50 bis 100 Knoten) haben verheerende Auswirkung.

Generell sollte man sich auf See vor Gewittern in Acht nehmen: starke Böigkeit mit sehr hohen Böengeschwindigkeiten, direkter oder indirekter Blitzschlag, Hagel. Alles Wettererscheinungen, die auf einer Yacht äußerst unangenehm sein können.

In diesem Artikel wurden die Wasserhosen-begünstigenden Faktoren mit Wetterkarten dargestellt: jahreszeitlich bedingt warme Luft vor der Front und hohe Wassertemperatur (mindestens 26°C) und eine Kaltfront in Kombination mit einem Höhentief. Aus der Literatur geht weiter hervor, dass durch die Geografie bedingte Konvergenzen, d.h. erhöhte Windgeschwindigkeiten durch z.B. Inselkaps, zusätzlich als Antrieb wirken. Letzteres könnte am 12.8. an der Südspitze der Insel Mljet evtl. eine Auswirkung gehabt haben, obwohl Mljet dort nicht besonders hoch ist (384m).


 

  1. Genau genommen ist es eine 13-teilige Skala, weil windstille (Windstärke 0) auch zählt 😉
  2. »Seewetter«, DSV-Verlag, 2. Auflage 2002. »Das Wetterbuch«, DK-Verlag, 1. Auflage 2014.
  3. Beobachtet während einer Überstellungsfahrt von Alex, B3-on-Water.
  4. Ein spannender Tatsachenbericht befindet sich hier auf dem Blog »Mare Più«.
  5. Wetterbericht 19.08.2015, Wetterbericht 12.08.2017.

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