Danielas Törns 2013: Überstellung SY AKOS

Überstellung Segelyacht AKOS 10.-13.8.2013

Am 10. August mache ich mich gemeinsam mit Christian, dem Eigner der Segelyacht AKOS, einem 27 Meter langen Zweimaster Baujahr 1987 auf den Weg, um sein Schiff von Marina in der Nähe von Trogir (CRO) in den Heimathafen San Giorgio di Nogaro (I) zu überstellen. Wir wollen gemütlich in drei Tagen am Ziel sein. Ich soll die AKOS in diesen Tagen gut kennen lernen, um in Zukunft selbstständig als Skipperin mit Gästen auf ihr unterwegs zu sein. Das Vorhaben ist eine neue Herausforderung für mich, denn auf meinen bisherigen rund 13.000 Seemeilen war ich ausschließlich mit modernen Ein- und Zweirumpfern unterwegs. Vom Seglerischen her erwarte ich mir keine nennenswerten Unterschiede – aber wie manövriert sich ein solches Schiff unter Maschine?IMG_0062

Das ist auch der spannendste Beginn der Reise: wer mich kennt, weiß um mein Interesse für Motoren, und der erste Weg führt mich gleich dorthin. Auf der AKOS ein richtiger “Raum” mit allen möglichen Aggregaten …

AKOS_diesel
AKOS Diesel
Daniela prüft den Ölstand
Daniela prüft den Ölstand

Beeindruckend sind natürlich nicht bloß der Motor mit seinen 6 Zylindern und 360 PS – wie behutsam die zu fahren sind, darüber wird weiter unten noch zu berichten sein. Das gesamte Schiff ist eine Wucht, und so schiffig und schön habe ich noch nie gewohnt! Ich beziehe die Achterkabine neben dem Eigner, aber schon das Wort Kabine trifft es nicht, weil das Appartement mit eigenem Bad, WC und Klimaanlage ausgestattet ist. Innenausbau komplett aus Holz. Anfänglich fällt auch die Orientierung gar nicht leicht. Das Schiff hat drei Decks und im Salon einen Abgang Richtung Bug und einen Richtung Heck > ähhh wie ist nochmal der Weg zu meiner Koje? Rasch gewöhne ich mich ein und finde mich zwischen Steuerstand, Salon, den sechs Doppel-Appartements für Gäste und Maschinenraum und Pantry zurecht.

Frühstück am Achterdeck
Frühstück am Achterdeck

Nach ersten Einweisungen machen wir uns auf den Weg, lichten den 100 kg schweren Stockanker mit 160 m Kette und werden vor Rogoznica von einer ungemütlichen SW-Welle gebeutelt. Nichts für uns, gemütlich soll es sein, und wir ankern in der Bucht vor Rogoznica, um hier zu übernachten. Vermutlich wird das beim nun enger werdenden Zeitplan eine Nachtfahrt bedeuten, aber diese war zu Übungszwecken sowieso im Plan. Tags darauf gehen wir um 1100 Anker auf und machen uns auf den Weg – “außen” an Dugi Otok vorbei weil weniger Verkehr zu erwarten ist und wir uns in den Wachen vor allem nachts abwechseln wollen (im zu zweit bewährten System: einer schläft, einer fährt). Nachmittags fällt der Druck, den der Kompressor für Schaltung und Gas Geben erzeugt: nichts geht mehr, oder doch? Wir schalten händisch am Getriebe in den Vorwärtsgang und fixieren das Gas am Motor mittels Kabelbinder. Langsam aber sicher tuckern wir Richtung Norden. Das Wetter ist ruhig und so geht die Sonne unter und wieder auf.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang auf der AKOS
Sonnenaufgang in der Nachtwache
Sonnenaufgang in der Nachtwache

Unser Ziel ist Rovinj, denn Christian hat mittlerweile per Handy einen befreundeten Schiffseigner erreicht, der uns mit einem Kompressor für die Heimfahrt aushelfen wird. Nachdem ich über Funk mit dem Hafenkapitän über unseren Ankerplatz einig wurde (mit einem derart großen Schiff kann man nicht überall “parken”), ankern wir mit einem schulmäßig gefahrenen Ankermanöver mit händisch Schalten und Gas geben (ja Gerhard*, es funktioniert! Wir trinken einen Campari-Soda auf dich!). Christian macht sich mit dem Beiboot und 35 PS-Motor (auch gut für Wakeboard- oder Wasserschifahren) auf den Weg, um die helfende Hand plus Kompressor aufs Schiff zu holen. Ich nütze die Zeit für Ausschlafen nach der Nachtwache und Schwimmen.

Ankern in der Bucht von Rovinj
Ankern in der Bucht von Rovinj

Nach erfolgreicher Bastelarbeit im Maschinenraum geht es weiter Richtung Heimat, zuerst aber zum Ausklarieren an die Marina-Mole in Umag. Und jetzt wird es richtig interessant. Das Ankern und Anker auf ging ja bereits flüssig, aber wie reagiert die AKOS auf relativ engem Raum (oh ja die große Bucht von Umag schrumpft mit diesem Schiff mindestens um das Zehnfache) unter Maschine? Wie komme ich mit dem 27-Meter-Schiff längsseits an die Mole?

Daniela am Steuer der AKOS
Daniela am Steuer der AKOS

Mit Konzentration und Christians Tipps schaffe ich das Anlegen bei etwas ablandigem Wind problemlos, technisch gesehen ist die Basis des Manövers Drehen am Teller (um die 90°-Kurve zu schaffen) mit anschließendem Eindampfen in die Vorspring. Tückischer ist das Ablegen nach dem Ausklarieren, Christian geht an Land, um die Vorspring zu bedienen, und ja … jetzt kommen die vielen PS ins Spiel … ich gebe zum Eindampfen in die Spring zuviel Gas und sie reißt! Der ablandige Wind treibt mich mit der AKOS sofort von der Mole weg und Christian murmelt dort stehen bleibend noch so etwas wie “Wieso hast du soviel Gas gegeben?”

Mein Puls ist auf 200+ und ich nehme das wieder Anlegen in Angriff, schließlich will der Eigner ja mit nach San Giorgio fahren. Tipps vom Kompressor-Lieferer und Christians beruhigende Reaktion bringen mich mit der AKOS wieder so weit an die Mole, dass Christian einsteigt > und los gehts durch zunehmende Bora Richtung Heimathafen. Wir nehmen die Strecke trotz des Windforecasts in Angriff, weil uns 4 Stunden unter diesen Verhältnissen machbar erscheinen und ich die AKOS auch gleich unter schwierigen Bedingungen erleben kann. Die trotz der kurzen Adria-Welle recht ruhigen Schiffbewegungen der AKOS lassen mich den Starkwind gut überstehen und ich kalibriere meine Seekrankheitsskala neu, um ca. eine Einheit nach oben ;-).

Hier ein Eindruck von der AKOS in der Bora: MVI_1524

Was so böse aussieht, wird auch böse ...
Was so böse aussieht, wird auch böse …

Immer noch bin ich erleichtert, wie humorvoll Christian das Missgeschick beim Ablegen genommen hat! Und hinterher bin ich froh, dass das passiert ist, weil ich in den 15 Jahren meiner Seefahrerei aus Fehlern bei Manövern das meiste gelernt habe oder auch aus Fehlern, die meine SchülerInnen beim Ausbilden bei mir machen. Wenn alles glatt geht, ist das zwar gut fürs Ego, aber wenig Lerneffekt drinnen.

Wir kommen nach der ursprünglich berechneten Zeit in die Abdeckung an der italienischen Küste und die Wellen lassen angenehm nach. Dann geht es noch den Flusslauf hinauf und in einem letzten längsseits Anleger erreicht die AKOS ihren Liegeplatz. Der Fluss ist übrigens auch deutlich schmäler als mit einem kleinen Einrumpfer!

GPS-Bild
GPS-Bild: die AKOS im Fluss
Die AKOS in ihrem Heimathafen
Die AKOS in ihrem Heimathafen

Beim Pläne Schmieden für eine gemeinsame Saison 2014 steht jedenfalls ein mehrtägiges Manövertraining am Beginn. Schwerpunkt? Längsseits anlegen!

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* Gerhard war mein gleichzeitig gefürchtet-geliebter Ausbildner, bei dem auch Christian in die Schule gegangen ist. Wir lassen dich hochleben!

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