Farmboys 2014 — Biograd – Bisevo – Kornaten

Zwei Stunden länger als erwartet hat die Anreise nach Biograd gedauert, denn der Grenzübergang Krapina zwischen Slowenien und Kroatien war wegen Hochwasser gesperrt. Wir waren aber schon um 4 Uhr morgens gestartet, weshalb wir trotzdem schon kurz nach Mittag in der Marina Kornati waren. Das Schiff haben wir wider erwarten auch relativ schnell bekommen. Schiffseinweisung, Sicherheitseinweisung, bunkern — und auf geht’s um 18:45 Uhr in die dalmatinische Inselwelt. Kurs Süd ins Murtersko More.

Der Himmel hat sich etwas aufgeklart an diesem sonst verregnetem Tag. Die Sonne steht schon relativ tief über Dugi Otok, Zeit für ein Bier. Wind gibt es kaum, macht aber nichts, die Entspannung stellt sich ein und auch der Hunger. Das Abendessen wird besprochen und es kommt rasch zu einer Entscheidung. Die beiden Küchenchefs sind nicht zu bremsen, um ihr neues Metier, die Kombüse, in Beschlag zu nehmen. Die Sonne ist untergegangen. In der Dämmerung kann man noch gut die westlichen Inseln Kornat und Žut erkennen und Die Freunde jedes Navigators beginnen auch ihre Arbeit zu verrichten. In weiter Entfernung noch, Otocic Mrtovnjak, Fl(2)W. 10s, Otocic Raparasnjak, Fl W. 4s, und die Einzelgefahrenstellen Cavlin Shoal, Fl(2)W. 5s, nordnordwestlich von Žirje gelegen, die wichtigsten Ansteuerungsfeuer für unseren Kurs zur Westseite der Insel Žirje.

Die Smutjes rufen zum Essen: Xöchts mit Erdäpfel und Krautsalat. Unsere Sundayou, eine Bavaria 38 Cruiser gleitet durch die finstere Nacht. Dank unzähliger Leuchtfeuer fällt die Orientierung nicht schwer. Andererseits muss man schon sehr genau schauen, um nicht die Feuer untereinander zu verwechseln. Um ca. 22 Uhr sind wir auf der Außenseite von Žirje angekommen. Die Einfahrt in die unbefeuerte Bucht erfordert schon hohe Genauigkeit, aber es gibt keine gefährlichen Riffe, die Einfahrt ist breit und steil — mit entsprechender Ortskenntnis und einem Suchscheinwerfer zur Unterstützung kein Problem. In der Bucht liegen zwei andere Boote an deren Ankerlichter wir uns orientieren, da ist auch eine Boje schnell gefunden und gefangen — 22:38 Uhr, 19,6 Seemeilen.

Der Blick aus dem Niedergang am nächsten Morgen zeigt einen blauen Himmel mit einigen Wolkenbändern. Die Luft ist noch kühl und es weht eine leichte Brise. Split Radio meldet um 7:45 Uhr “…low filling up…over night calm…”, also es wird noch besser. Frühstück ist angesagt. Der Seestoana, seines Zeichens Fleischhauermeister, der einen Teil seines Seesacks zu Lasten von Reservekleidung mit ca. 15 kg Fleisch, Speck und Wurst gepackt hat, und Börni, ein passionierter Hobbykoch, in dessen Werkstatt man nicht nur immer ausreichend mit Bier, sondern auch mit guten Speisen versorgt wird, bereiten gleich mal eine üppige Portion Ham and Eggs zu. Die Stimmung ist hervorragend in Anbetracht des traumhaften Wetters — in Österreich war es seit langem grau und verregnet. Tagesplan gibt es noch nicht so richtig, aber Süden erscheint als guter Kurs. Am Horizont sieht man die Insel Vis. Nach ein paar Stunden ist Vis nur unwesentlich größer geworden, also beschließen wir den Kurs Richtung Šolta zu ändern.

Der Inselhafen Maslinica wurde vor zwei Jahren neu eröffnet. Ein türkischer Investor hat keine Kosten gescheut, um den Hafen und die Toilettanlagen sehr modern auszubauen. Bei der Hafenannäherung bereits sind unzählige Yachten zu sehen. Viele fahren hinein und wieder heraus und es war zu befürchten, dass der Hafen voll ist. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Wir laufen trotzdem ein. Im Hafen war dann alles klar. Die Südmole war voll mit Regattayachten. Wir stehen mitten im Hafenbecken. Normalerweise winken in Kroatien meist schon die Marineros, war aber ungewöhnlicherweise nicht der Fall — sehr angenehm wie ich finde, wie in Griechenland :). An der Innenseite der Außenmauer waren noch Plätze, also ruck-zuck und wir hängen. Ein Trupp schwärmt auch sofort aus zum Supermarkt, um die Biervorräte aufzufüllen. In der Zwischenzeit sind ein paar andere Boote ein- und wieder ausgelaufen — vermutlich weil sie keiner Marineros angesichtig wurden. Die Freude über den Platz war aber nur von kurzer Dauer, da uns einer der Hafeneinweiser ziemlich unfreundlich darauf aufmerksam machte, dass alles reserviert sei und wir wieder fahren müssen. Höflich zeigten wir uns natürlich verständnisvoll, machten ihm aber klar, dass ein Teil der Crew gerade im Supermarkt war und wir noch die paar Minuten warten müssen. Er kam dann noch einmal und war ziemlich ungehalten, aber offenbar war es eine Fügung des Schicksals, dass genau in diesem Moment der Bunkertrupp zurück kam. Der Obermarinero erklärte uns dann, dass doch noch ein einziger Platz frei sei, und zwar drüben zwischen den Regattayachten, alles Boote zwischen 45 und 55 Fuß Länge, wir müssen aber sofort auf der Stelle umlegen. Gesagt getan, wir gaben ihm und seinem Kollegen als Dank noch rasch zwei Dosen Bier, Landstrom rein, Basarella rein, abgelegt. Zeitgleich legte auch eines der dicken Boote auf der Innenseite ab. Der Marinero musste die Boote mit seinem Schlauchboot auseinander drücken, da die Boote unglaublich dicht geparkt waren. Die Festmacher hätten wir uns theoretisch sparen können 😉 so fest steckten wir — Basarella raus, Landstrom raus, fertig. Die Hektik im Hafen war vorbei. Alle Boote angelegt, Hafen voll, Marineros sitzen in der Taverne beim Bier.1

Am nächsten Morgen geht’s weiter, Bis ist von hier doch etwas näher, also auf in den Süden. Es stellt sich sogar etwas Wind ein — raus mit den Segeln und wir gleiten schon lautlos dahin an diesem strahlenden Sonnentag. Wir passieren das nordwestliche Ende von Vis, dahinter liegt Bisevo mit seiner blauen Grotte. Oft war ich schon in der Nähe, trotzdem hab ich es bisher nicht geschafft dort festzumachen. Die Grotte liegt in einer tiefen Bucht mit Steilküste, ein bis zwei relativ unsichere Ankerplätze. In der nächsten, nördlich gelegenen Bucht Mezuporat ist ein Anleger für Ausflugsboote und laut Bständig ein paar Murings, die Beschreibung ist aber ziemlich uneindeutig. Bei der Annäherung können wir sch aus zwei, drei Meilen Entfernung zahlreich Segelyachten ausnehmen, die einlaufen, auslaufen kreisen. Verdammt, schon wieder voll? Wir fahren in die Bucht mit der Grotte, um eine Ehrenrunde zu drehen. Drinnen mindestens 10 Yachten in Warteposition und eben so viele Dingis. In Hintergedanken seh ich uns schon in Komiza übernachten, aber niemals voreilig aufgeben — also auf in die nächste Bucht, um den Ausflugsanleger zu besichtigen. Weit und breit keine Boote zu sehen, kein Yachten, keine Ausflugsboote, nur zwei eindeutig einheimische Boote. Kann man da etwa gar nicht anlegen? Glauben heißt nichts wissen, also machen wir eine nahe Besichtigungsrunde. Geschätzte vier Meter Wassertiefe, vier Murings, ideale Wettervorhersage — warum ist da keiner? Egal. Wir machen sofort fest, Basarella raus, Landstrom raus, Kabel zu kurz, Kabel wegpacken, Bimini aufspannen, Jause aufschneiden, Bierdosen rauf, anstoßen *blinnnng* fertig 🙂 Interessanterweise waren die restliche vier Muringplätze anschließend innerhalb der nächsten halben Stunde voll.

Es ist 1630 Uhr, Nachmittagssonne, Zeit für eine Besichtigung der blauen Grotte. Dingi aufpumpen, zu Wasser lassen, Außenborder rauf und los geht’s, aufgeteilt in zwei Gruppen — Dingi zu klein für alle sechs. Gruppe 1 ist etwas länger aus, weil — nein, kein Zwischenstopp in der Strandtaverne — der Außenboarder seinen Betrieb einstellte. Wie immer, 50:50 Chance, dass der Außenboarder einer Charteryacht zuverlässig funktioniert. Die blaue Grotte entpuppt sich als unglaubliche Sehenswürdigkeit. Man paddelt in einen stockfinsteren Felsschlund und wenn man glaubt anzustehen, öffnet sich nach rechts ein große Halle, in tiefem blau erleuchtet und man ist mit dem Dingi mitten drinnen. Das Wasser scheint wie eine seltsame Flüssigkeit in einem Science-Fiction-Film selbst zu leuchten. Gruppe 2 ist unterwegs, der Außenborder läuft nur kurz, dann wird gepaddelt. Auch diese Gruppe ist länger aus, zurück wird geschwommen, Paddel versenkt… Es ist ein herrlicher Abend in Bisevo, eine traumhafte kleine Insel weit draußen vom Festland entfernt. Am späteren Nachmittag verschwinden alle Tagesausflugstouristen und auch fast alle Yachten, denn die meisten bleiben über- Nacht auf Vis in Komiza. Am nächsten Morgen ist strahlender blauer Himmel. Frühstück. 65 Meilen südlich von Biograd, Tagesbesprechung. Kurs Nord Richtung Kornaten. Traumhaftes Wetter, nur kein Wind, also motoren wir dahin. Kartenspielen, Spaß, Genießen. 3 Meilen vor dem südlichen Ende von Zirje frischt der Wind auf, aber wir beschließen in die Vela Stupica einzulaufen. In der großen Bucht sind zahlreiche Bojen frei, Boje gefangen, festgemacht, und  die halbe Mannschaft geht baden und unternimmt einen Landausflug.

Nik und ich bleiben an Bord. Einige Zeit später kommt ein SMS: “Sitzen in der Taverne. Bordkassa und Tshirts mitbringen.” Also pumpen wir das Dingi auf und fahren mit einem Paddel und einem Holzbrett an Land,  zur allgemeinen Erheiterung, der Zuseher auf der Mauer 😉

Am nächsten Tag gehts weiter in die Kornaten. Wir segeln von Süden durch die Ausläufer entlang von Kurba Vela, zwischen Skulje und Smokvica Vela hinauf bis in die Bucht Lopatica, zu meinem Lieblingsinselwirt Beban, wo wir um ca. 1445 an Bebans neuem Schwimmsteg anlegen. Wir bestellen Lamm in der Glocke für die ganze Mannschaft. Wir genießen den Nachmittag in der wunderschönen Bucht. Zu dieser Jahreszeit sind nicht mehr sonderlich viele Leute in den Kornaten. Ein sonniger Nachmittag in der Lopatica im Herbst ist wie ein Tag auf einer pazifischen Südseeinsel. Am Steg liegt noch ein Motorboot, die Gäste verlassen aber die Bucht am späten Nachmittag. Im Konoba sind nur noch wir und ein deutsches Paar, mit dem wir noch einen sehr lustigen Abend verbringen, nachdem wir köstlich gespeist haben.

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Norden durch die Kornaten. Es ist völlig wolkenlos, aber auch windstill. Wir ankern zwischen der kleinen Insel Šilo Vela und Kornat um zu Baden und einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Wir besuchten das Ehrendenkmal der 12 Feuerwehrleute, die hier vor einiger Zeit ums Leben gekommen sind.

Am späteren Nachmittag sind wir dann nach Sali weitergefahren, die größte Stadt auf Dugi Otok, um noch ein paar Sachen nachzubunkern. Sali ist ein wunderbarer Urlaubsort, ich komme immer wieder gerne hier her. Die Nach verbringen wir letztendlich an einer Boje in der Mali Proversa, völlig alleine, weit und breit keine andere Jacht.

Es ist Freitag, 7:45 Uhr. Split Radio spricht eine Gale Warning aus. Ein paar Wolken ziehen über den Himmel und es ist leicht windig. Südwind. Der Luftdruck ist über Nacht um ein paar hPa gefallen. Wetterveränderung. Die Stimmung an Bord ist nicht ganz so ausgelassen wie in den letzten Tagen, denn heute müssen wir zurück in die Ausgangsmarina.

Am Nachmittag legen wir in Biograd, in der Marina Kornati wieder an. Es ziemlich stark bewölkt, aber dennoch warm. Wir genießen noch den Nachittag und den Abend in der lebhaften, kroatischen Küstenstadt, bevor es am nächsten Tag in strömendem Regen wieder Richtung Österreich geht.

Es war eine traumhafte Woche in der kroatischen Inselwelt. Leider hatten wir kaum Wind in dieser Woche, aber dafür gab es genügend andere Highlights zwischen durch. Insgesamt sind wir 176 Seemeilen weit gekommen, der südlichste Punkt unserer Reise war Bisevo und die blaue Grotte, ein absolut sehenswertes Naturschauspiel.

  1. Maslinica ist ein sehr schöner, gepflegter Hafen, die Gebühren sind aber schlichtweg eine Frechheit. Für die 38er haben wir für eine Nacht über 500 Kuna bezahlt.

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