Von Punat nach Premuda und zurück

Endlich sind die Sommerferien gekommen und somit auch der von den „Wiederholungstätern“ Barbara, Hans, Klaus und Christian lang ersehnte Segeltörn in der ersten Juliwoche. Obwohl im Hochsommer in Kroatien sehr viel los ist, ist eine der ersten beiden Juliwochen immer noch die beste — richtig schlimm überfüllt und eher zu vermeiden ist dann der August. Dieser Törn startet in Punat, das in einem großen natürlichen Hafen, der Puntarska Draga, an der Südküste der kroatischen Insel Krk gelegen ist.

1 Mitten in der großen Bucht, die auch ein beliebter Ankerplatz ist, befindet sich eine kleine Insel mit Kirche, die gerne Besucher anzieht.

Die Crew ist bereits einen Tag vor Törnbeginn angereist und meine Wenigkeit, Bernhard, Skipper, in der Nacht von Freitag auf Samstag. In der Vorwoche war offenbar wenig los, deshalb konnte ich die Yacht, S/Y Martina, eine Bavaria 39 Bj. 2007, bereits zu Mittag übernehmen. Das Schiff ist für eine Charteryacht sehr vollständig ausgestattet und erscheint in gutem Zustand.

Ab in die Nacht

Ursprünglich hatten wir eigentlich geplant im Restaurant Kostarika im Zentrum von Punat auf ein köstliches Steak zu gehen, aber es war nach dem Bunkern und der Schiffseinweisung erst früher Nachmittag. Also kam Plan B zum Einsatz 😉 Den hatte ich mir am Vormittag ausgedacht, während ich in der Marina herumgelungert bin, sobald klar war, dass ich das Schiff sehr früh bekommen würde.

Um 1545 Uhr laufen wir Richtung Süden aus, wolkenlos, Nachmittagssonne. Der Wind weht mit 3 Bft aus Süden, was normalerweise auf ein Wetterveränderung hindeutet. Die Wochenprognose kündigte auch Schlechtwetter für Montag an. Der Wind lässt im Laufe der Zeit nach und schläft beinahe ein. Um 2035 Uhr, eine viertel Stunde vor Sonnenuntergang, passieren wir das Inselchen Trstenik mit seinem Leuchtturmhäuschen auf seiner westlichen Seite und lassen es in der orangefarbenen Abenddämmerung hinter uns. Um 2145 gibt es einen aktuellen Wetterbericht, leider nur mit sehr schlechtem Empfang. Wie sich in den nächsten Tagen herausstellte, war es einer der wenigen den ich überhaupt empfangen konnte. Offenbar war etwas mit der Antenne oder dem Gerät nicht in Ordnung. Ich überprüfte das zwar in der Marina, allerdings nur auf dem Kanal 17 der Marina Punat. Rijeka Radio verkündete „Warnings…thunderstorms…low approaching Adriatic…“. Um kurz nach 22 Uhr passierten wir dann Hrid Bik, Fl.(2) W.R. 6s, östlich des Inselchens Palacol, änderten den Kurs auf rechtweisend 206 und liefen dann um ca. 23 Uhr von Süden in die Durchfahrt zwischen den Inseln Ilovik und Sveti Petar ein, wo wir um 2325 Uhr nach ca. 40 Seemeilen an einer Boje festgemacht hatten. Zeit für ein Cockpit-Bier 🙂

Am nächsten Morgen gibt es in der Inseldurchfahrt keinen Wetterbericht, aber nach wie vor Südwind — ein deutlicher Hinweis für die Wetterveränderung. Kurz nach 9 Uhr legen wir ab Richtung Nordwesten und setzen bei 4 Bft Südost die Segel, sobald wir zwischen den Inseln durch sind und steuern auf die Lehminsel Susak zu. Der Luftdruck fällt und nahe Susak — dieser Hafen muss noch ein paar Tage auf uns warten 😉 — halsen wir und halten auf die Einfahrt von Mali Losinj zu, wo wir am frühen Nachmittag im Stadthafen anlegen. Vier Hektopascal Luftdruck weniger, weiterhin Südwind.

Mali Losinj, schöner Stadthafen

Beim Anstecken des Landstromes fliegt mehrmals der Sicherungsautomat am Steg. Wir probieren es an verschiedenen Steckern, gleiches Ergebnis. Ein Blick auf die Bordelektrik und das Ladegerät bringt keine Erkenntnis, alles ist sauber, trocken und ordentlich verkabelt. Das Landstromkabel selbst ist auch ok, fast neu, Stecker trocken. Irgendwann hält der LS dann doch. Wir verbringen den Nachmittag in Mali Losinj, gehen abends essen und sehen uns später dann ein Fußballmatch in einer Cocktailbar an: Costa Rica gegen Griechenland, es ist wieder einmal WM. Ein ziemlich langweiliges Spiel, Costa Rica gewinnt letztlich beim Elfmeterschießen 5:3. Das Nightlife im einst so glänzenden Mali Losinj lässt etwas zu wünschen übrig. Von einem Besuch zum nächsten habe ich den Eindruck, dass sich die Stadt immer mehr zum Pensionistenort verändert, wo um Mitternacht die Gehsteige hochgeklappt und die Straßen weggerollt werden 😉

Zurück am Boot stellten wir fest, dass die Sicherung wieder aus war. Und so ist es dann auch für den Rest der Woche geblieben. Anscheinend war irgend etwas defekt, aber ohne entsprechende Ausrüstung schwer zu finden, also lasse ich es. Als Ägäis-Segler bin ich es sowieso gewöhnt tagelang ohne Landstrom auszukommen, was überhaupt kein Problem ist, wenn man mit den Energiereserven entsprechend haushaltet. Wie sich in den folgenden Tagen herausstellte, waren die Batterien dieser Yacht glücklicherweise in sehr gutem Zustand, was ich gerade in Kroatien nicht generell bestätigen kann.

Um 4 Uhr in der Früh zieht ein Gewitter über Mali Losinj und der darauf folgende Morgen und Vormittag zeigt sich grau in grau und verregnet. Der Wetterbericht verheißt aber eine Besserung also warten wir das Ganze ab, um nach einem Mittagessen auszulaufen. Die Wolken lockern sich auf, nördlicher Wind zeigt an, dass der ganze Spuk vorbei ist und wir nehmen Kurs auf die Insel Silba, wo wir nach knapp 22 Seemeilen in der Bucht Sveti Ante unmittelbar neben der gleichnamigen Kapelle — nach der die Bucht benannt wurde — am späten Nachmittag an einer Boje festmachen. Heute wird die Kombüse einmal richtig angeheizt und so fabrizieren Smutje Barbara und Küchenjunge Hans einen köstlichen Schweinsbraten 😀

Premuda, abgelegen, schön

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Premuda, ein seit Jahren lang ersehntes Ziel. Barbara, Hans, Klaus und Christian waren vor ca. 10 Jahren einmal hier, mit ein paar weiteren Freunden und „Captain Phd Scherar“ und bekamen damals in einem Konoba — in demselben in dem wir jetzt saßen — ein vorzügliches „Lamm in der Glocke” (Peka). Das machten wir dieses Mal auch, das Lamm in der Glocke war aber den Berichten von damals zufolge leider nicht mehr so gut.

Die Insel Premuda liegt etwas abgelegen von den typischen „Trampelpfaden“. Die nächsten nördlichen Charterstützpunkte sind Pula auf Istrien und Punat auf Krk, im Süden gibt es Zadar und Sukosan. Trotzdem ist dort relativ viel los, mehr als man erwarten würde, da es ein sehr idyllischer Fleck mit Blick aufs offene Meer ist. Vor dem Ort Krijal liegt in der natürlichen Straße zwischen Insel und dem vorgelagerten Riff ein großes Bojenfeld. Einige größere Motoryachten sind auch dabei, von denen viele abends aber wieder verschwinden. Interessant zu beobachten ist auch die relativ starke Strömung, die die Yachten entgegen der Windrichtung im Bojenfeld ausrichtet.

Susak, Insel der Gegensätze

Am nächsten Morgen legen wir um 0800 Uhr unter Segel von der Boje ab, Wind 2 Bft Südost. Schon wieder Südwind? Hält aber nicht lange an, nach einer Stunde schläft er ein und wir motoren Richtung Susak, wo wir um die Mittagszeit einlaufen und im Hafen festmachen. Die Hafeneinfahrt ist erst zu sehen, wenn man fast drinnen ist, da rundherum alles mit Ausflugsbooten und kleinen Motorbooten belegt ist. Drinnen im relativ kleinen Hafen gibt es dann aber ca. 8 Plätze für Yachten mit Murings auf 2 bis 3 Meter Wassertiefe. Obwohl ich erwartet hätte, dass der Hafen spätestens um 15 Uhr voll sein würde, wurde der letzte Platz erst gegen 19 Uhr von einer 50-Fuß-Yacht belegt.2 Offenbar scheuen die meisten Skipper den engen Hafen und bleiben lieber im Bojenfeld im Südosten der großen Bucht.

Susak hat zwar einen idyllischen Ruf, der erste Eindruck ist aber eher abschreckend und auf den ersten Blick einer jener Orte, die ich im Normalfall zu meiden versuche. Die Hafenmauer ist voll mit Tagesausflugsbooten. Von Weitem schon kann man unzählige Sonnenliegen und -schirme, die mit dem Maßband ordentlich in Reih und Glied angeordnet am Sandstrand, zwischen denen sich unzählige Badegäste tummeln, sehen. Die Häuserfront im Hafen wirkt verfallen und ungepflegt, und vor allem an der Außenseite der Mole tummeln sich viele kleine Motorboote, deren Kapitäne ihrem „guten” Ruf alle Ehre machen.

Sobald man sich aber in den Ort hinein bewegt, findet man idyllische kleine Gasserln, sauber und mit Blumen geschmückt und da und dort ein kleines Konoba. Besonders empfehlenswert ist es auch einen Spaziergang die langen Treppen hinauf durch das meterhohe Riesenschilf in den oberen Ort zu unternehmen, dort trifft man außer Einheimische kaum eine Menschenseele und man kann sehr gut essen.

Südliches Cres, wenig Yachten

Split Radio verkündet „…in the night possible thunderstorms, gusts NE 35 – 45 knots…“. Tatsächlich ist eine Störungslinie über Nacht durchgezogen, am nächsten Morgen gibt’s klare kalte Luft, wolkenlos, Nordostwind. Von der Hafenmauer aus dem Wellengang entsprechend geschätzte 6 Bft, also leichte Bora. Wir verbringen den Vormittag noch in Susak, die Hafeneinfahrt war ohnehin „zugeparkt“. Mittags brechen wir dann auf, vorerst Richtung Ostsüdost und passieren die Insel Losinj im Süden, um dann auf Nordkurs zu gehen. Im Nachhinein betrachtet hätten wir doch schon früher fahren sollen, da der Wind völlig eingeschlafen war und das auch für den restlichen Tag so geblieben ist.

Gegen 18 Uhr machen wir in der Bucht Kolorat an einer Boje fest. Kolorat ist eine der vielen Buchten am stark „zerfransten“ südlichen Ende der Insel Cres. Ich war zum ersten Mal dort, da ich es bisher immer gemieden hatte. Ich habe fälschlicherweise angenommen, dass sich dort unzählige andere Yachten aufhalten würden, denn die Küste ist stark zerklüftet, viele Buchten und in Bständigs „888 Häfen & Buchten“ gut dokumentiert. Er schreibt sogar: „In den Abendstunden kann man hier oft Rotwild beobachten.”. Das sollte sich dann auch tatsächlich bewahrheiten und zwar nicht nur in den Abendstunden, auch in den Morgenstunden am nächsten Tag konnten wir ein paar Tiere am Ufer beobachten. In der Bucht befindet sich ein großes Bojenfeld mit bestimmt 25 Bojen, von denen aber maximal 5 belegt waren.

 Jede Segelwoche geht leider auch wieder zu Ende und so brechen wir am Vormittag Richtung Punat auf. Nach einem sehr unspektakulären und windlosen Tag machen wir nach einem Tankstopp in der Stadt Krk um 1630 wieder in Punat in der Marina fest. Insgesamt hatten wir in dieser wieder einmal sehr schönen Woche ca. 150 Seemeilen hinter uns gelassen, mit typischem kroatischen Hochsommerwetter, obwohl Berichten zufolge dieser Sommer ansonsten eher eine Ausnahme darstellt.3 Für mich heißt es dann um 2030 Uhr „Good bye and see you again, Croatia“, denn vor mir lagen noch einige Stunden Autofahrt und ein paar hundert Kilometer bis zum nächsten Schiff gleich am nächsten schönen Tag 🙂

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  1. Seekarte als PDF downloaden.
  2. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich mit einer Bavaria 50 aufgrund der Wassertiefe und des eingeschränkten Manöverraums nicht  in diesen Hafen gefahren wäre, es ging sich aber anscheinend aus. Am nächsten Morgen wendete der Skipper das Boot sogar mitten im Hafen, um nicht rückwärts hinausfahren zu müssen.
  3. Das werde ich selbst dann im nächsten Törnbericht über die Ägäis auch bestätigen 😉

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